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Solo vom Pazifik zum Arktischen Ozean - quer durch Nordkanada


 

Liebe Kanada- und Wildnisbegeisterte!

Im Sommer 2006 habe ich einer lange an mir nagenden  Herausforderung nachgegeben:

Die Durchquerung Nordkanadas vom Pazifischen zum Arktischen Ozean - solo und aus eigener Kraft.

800km mit dem Fahrrad, 430km zu Fuß und 760km mit dem Seekajak von Skagway in Südalaska bis nach Inuvik im Norden der Nordwestterritorien.

Hier mein Bericht und einige Impressionen einer interessanten Route und eines wundervollen Landes:

 

 



Abschied in Frankfurt


Ankunft in Atlin, im Norden Britisch Kolumbiens

Atlin ist ein echter Geheimtipp für Kanadaliebhaber. Wegen der weiten Anreise über eine Schotterstraße, die mit dem Alaska Highway verbunden ist, verirren sich nur wenige Touristen hierher. Die einzigartige Bergkulisse und der 80km lange Atlin Lake sind atemberaubend. Die einzigartige Lage Atlins und seine freundlichen Bewohner verzaubern den Besucher. Alte Goldgräberpfade in die umliegenden Bergregionen und die endlosen Wasserstraßen auf Seen und Flüssen laden zu Outdooraktivitäten ein. Hütten mit Gletscherblick, Kajaks und geführte Touren gibt es bei unserem Nachbarn - www.sidkatours.com.

In unserem Blockhäuschen kontrollierte ich die Ausrüstung ein letztes mal und ab ging es nach Skagway/Alaska, dem Ausgangspunkt der Reise am Pazifischen Ozean.



Unsere kleine Ferienhütte ...


... mit großem Ausblick


Das muss reichen!


Folgte dem legendären Goldrausch: White Pass Railway

Ende des 19. Jahrhunderts wurde am Klondike Gold gefunden. Bis Skagway konnten die Glücksritter in der Hoffnung auf den großen Goldfund komfortabel mit dem Schiff reisen. Von hier an ging es nur unter unsagbaren  Anstrengungen weiter. Im Winter mit dem Schlitten, im Sommer auf den Schultern musste jedermann eine Tonne Ausrüstung über den bald berüchtigten Chikoot-Pass schleppen, um dann auf der anderen Seite der Bergkette mit selbst zu errichtenden Flößen zu den vermeintlichen Goldfeldern am Klondike zu gelangen. Mit Hochdruck wurde eine Eisenbahn über den White-Pass gebaut. Bis sie fertiggestellt war, war der Zenit des Goldrausches jedoch längst überschritten, und zig-tausende enttäuschter Abenteurer kehrten in den Süden zurück.




Skagway: damals wie heute ...


... das Tor zum Norden


Tag 1: Chikoot Trail ab Skagway (Startmarkierung)

 

Tag 1: 60km und 2.000hm auf dem Chilkoot Trial

Einer der berühmtesten Wanderwege unserer Erde: von den tiefgrünen und dichtbemoosten Zedernwäldern, über Felsen und Geröll und sommerliche Schneefelder auf den nur 1000m hohen  Chilkoot Pass und weiter in eine Welt von Gletschern und Seen und wieder hinunter durch kärgere Pinienwälder, über weiße Felsen und vorbei an türkisblauen Seen.

Der Trial wird üblicherweise in drei Tagen begangen und folgt exakt der Route des berühmten Goldrausches am Klondike nahe der aus dem Boden gestampften Zeltstadt Dawson City.

 

 










Chilkoot Pass










Der Chilkoot Trial ist für jeden gesunden Wanderer problemlos machbar und wirklich ein Genuss. Ich bin ihn bereits zum vierten Mal gelaufen. Auf nur 60km erlebt man eine große Bandbreite dessen, was Nordkanada und Alaska zu bieten haben. Für die Trialrunner, also mit nur leichtem Gepäck an einem Tag,  ist es allerdings recht anstrengend.

Insbesondere wenn es am nächsten Tag sofort aufs Rad geht:

 

 



800km mit dem Mtn-Bike

Die nächsten Tage war ich mit dem Rad unterwegs. Den ersten Tag 150km auf komfortablen Teerstraßen zum Alaska Highway. Dann entlang der einsamen South und Northcanol Road auf grobem Schotter. In zwei Tagen bis Ross River begegnete mir ein Auto und in den drei Tagen bis ins Nirgendwo in den Mackenzie Mountains kein einziges.

Allerdings sollte ich es noch sehr komfortabel haben in diesen Tagen. Denn mein Freund Utz Flieger begleitete mich mit dem Camper. Vor der unweigerlich näher kommenden einsamen Wanderung waren die abendlichen Bierchen und das weiche Bett ein besonderer Genuss.

 





Einen Tag asphaltierte Straße


Bis Ross River nur einem Auto begegnet


Täglicher Motivationsschub: Abendliches Bierchen




Dauerparker am Highway


Adlerhorst am Straßenrand



Diese Brücke war ja noch OK für meinen Partner ...


... aber ab hier hat Utz die Weiterfahrt verweigert

Jetzt gab es kein zurück mehr. Der Berg rief und der Arktische Ozean auch. Als wir uns zuwinkten und der Camper kleiner und kleiner wurde, fühlte sich das ein bisschen an wie damals, vor 20 Jahren, als ich mich mit meinem Freund Alfred Klüh für ein ganzes Jahr in der Wildnis absetzen ließ und der Helikopter mit einem immer leiser werdenden Plop-Plop am Horizont verschwand. Verdammt still auf einmal!



Jetzt gibts kein Zurück mehr


370km durch die Rockies

Für die nächsten 400km bis zum Ufer des Mackenzie Rivers hatte ich 20 Wandertage eingeplant. Meine Route folgt der 1944-45 in einem riesigen Kraftakt gebauten Pipeline, quer durch die Mackenzie Mountains, die den nördlich Abschluss der Rocky Mountains bilden. Die Pipeline sollte den unstillbaren Hunger nach Energie zur Verteidigung Alaskas ermöglichen, wurde jedoch nach Kriegsende, also schon bei der Fertigstellung sofort wieder aufgegeben.

Der südliche Teil der Northcanol Road wird noch erhalten und neben einigen Touristen insbesondere  im Herbst von Jägern befahren. Ab hier jedoch geht nichts mehr. Die Brücken sind fortgerissen und die Wegführung ist insbesondere in den Niederrungen nicht mehr erkennbar.



Überreste der Brücken waren bald ...


... kaum noch zu sehen


Umziehen zwischen den Flussquerungen hat sich


nicht immer gelohnt



Neben dem Alleinsein über einen langen Zeitraum und neben dem täglichen Leistungspensum, waren die Flussquerungen die eigentliche Herausforderung dieses Abenteuers. Letztere stellten sich aber als relativ harmlos heraus. Es war zwar kalt und die Strömung oft erheblich, und das häufige An- und Ausziehen nervte,  aber ich musste nie komplett baden gehen.











Der 30kg-Rucksack wird zum Glück ...


... täglich um 550g leichter

Ich kam bestens voran. Mit 18 bis 25km pro Tag vielleicht zu gut. 30kg auf dem Rücken zeigten irgendwann eine äußerst schmerzhafte Wirkung. Angefertigte Polster aus der Isomatte verschafften Linderung. Außerdem wurde mein Rucksack jeden Tag 550g leichter.

 

Auf mehrtägigen Wildnistouren lege ich alle drei Stunden eine Essenspause ein: Müsli mit Milchpulver - Eiweißshake - Glücksbällchen (Teig aus Trockenfrüchten und Nüssen) - Nüsse und Mandeln - ein dehydriertes Fertigessen. Das sind 2.600 kcal pro Tag in einem Protein/Kohlenhydrat/Fett-Verhältnis von 21/53/26% wie es mir bei Dauerbelastung entspricht. Im Winter muss es die Hälfte mehr sein. Wenn es abends kein Brennholz gab, habe ich am folgenden Tag zweimal warmes Essen gekocht. Brennstoff und Kocher sind überflüssiges Gewicht. Den hohen Mineralienbedarf decke ich mit zwei bis vier Teelöffeln gesättigter Sole ab, die ich auch zum Zähneputzen und Desinfizieren benutze. Einfach hochwertige Salzkristalle in ein Fläschchen und von Zeit zu Zeit Wasser nachgießen. Für den Vitaminhaushalt nehme ich die beste Nahrungsergänzung aus natürlichem, sonnengereiften Obst- und Gemüse.





Optimale Nahrung für maximale Energie und top Abwehrkräfte









Ist das die NorthCanol Road oder ein Wildwechsel?


Das GPS weiß weiter


Hier ist kein Highway


Aber hier muss er mal gewesen sein





Gelegenheit macht Laune

Ankunft in Norman Wells

Die letzten 150km habe ich geschummelt indem ich eine mehr als glückliche Gelegenheit mit einem Flieger wahrgenommen habe. So ging der teilweise sumpfige Streckenteil mit sicherlich Myriaden von  Mosquitos an mir vorbei.

In dem kleinen Öldorf Norman Wells genoss ich ein Hotelbett und einige Essen im Restaurant bis mein bestelltes Seekajak per Flugzeug eintraf. Und schon war ich wieder alleine. Für 800km auf dem breiten und langweiligen Mackenzie River.




Ölförderung in Norman Wells


Kartenstudium: Achtung Stromschnellen!


Nichts vergessen?


760km auf dem zweitgrößten Strom Amerikas









Der Mackenzie ist trüb, und saubere Zuflüsse wie dieser frische Wasserfall sind selten





Besser tapen als leiden

Der Mackenzie River ist nach dem Amazonas der zweitgrößte Strom Amerikas und bis zu 4km breit. Zwei Stromschnellen und vor allem starke Winde machen aus dem harmlosen Strom u.U. ein gefährliches Monster, wenn man nur eine handbreit über dem Wasser paddelt.

Das größte Problem ist Gegenwind, der jegliches Vorankommen völlig unmöglich machen kann. Aber ich hatte Glück. Bei Windstille oder gar mit Rückenwind paddelte ich täglich 60-100km. Nur Blasen vom Paddeln kann man nicht gebrauchen. Permanent tapen ist die beste Prävention.








Fort Good Hope, ein ...


... friedliches Indianerdorf



Blick nach Norden um Mitternacht


Gegen Sonnennächte hilft nur große Müdigkeit



Arctic Red River



Inuvik und die berühmte Igloo-Kirche

Inuvik - zurück in der Zivilisation.

Ich habe es in fünf Wochen geschafft. Mit Gegenwind auf dem Mackenzie River oder ohne mein Schummeln mit dem Bushflieger bei der Wanderung durch die Rockies hätte ich mein Zeitfenster von 6 Wochen gesprengt. Glück gehabt! Ob die Querung von Ozean zu Ozean vor mir schon mal jemand in dieser Art probiert hat, weiß ich nicht. Wahrscheinlich eher nicht. Und eine lupenreine Durchführung, ohne Schummeln, ist noch nicht erreicht. Der Mackenzie River ist langweilig und bei Gegenwind sicher ein Psychokiller. Aber alles andere ist ein Traum. Wenn es mal einer schaffen oder probieren sollte, bitte bei mir melden.



Ob es sich gelohnt hat?

Von so einem Trip kommt keiner so zurück wie er ihn begonnen hat.

Ob es aber besser ist mit mir als zuvor, das muss sich erst noch herausstellen.

das holzhaus Oliver Pusch GmbH Schöne Aussicht 8 Tel.: 0 66 63 / 60 89, Fax: 0 66 63 / 60 16
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